Literatur trifft Meeresforschung | Foto: Jan Meier

11.09.17 | Auf dem Literaturfestival in Berlin diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) mit internationalen Schriftstellerinnen und Schriftstellern.

In Berlin startet diese Woche das internationale Literaturfestival mit 200 Autorinnen und Autoren aus über 40 Ländern, darunter auch Publikumslieblinge wie Donna Leon, Arundhati Roy und Yasmina Reza. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres „Meere und Ozeane“ veranstaltet das Festival das Programm „Reading the Currents. Stories from the 21st Century Sea“. Zwölf internationale Autorinnen und Autoren präsentieren Romane, Kurzgeschichten und exklusiv für das Literaturfestival verfasste Texte zum Thema Meer und treten ins Gespräch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Bereichen Biologie, Geologie, Ökologie und Soziologie.

Es geht um das Leben mit dem Meer, um die Lebewesen der Ozeane und vor allem um die Umweltveränderungen, denen die Meere heute ausgesetzt sind. Wie reagiert die Literatur auf diese vielfältige Gegenwart? Ziel ist es, sowohl einen künstlerischen Zugang zu den aktuellen Themen zu eröffnen, als auch die wissenschaftlichen Fakten zur Debatte zu stellen.

In den Dialog mit den Autorinnen und Autoren treten auch zwei Forscher des Bremer Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT), die sich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst engagieren.

Der Biologe Prof. Dr. Martin Zimmer diskutiert am 11. September mit JoeAnn Hart, einer für ihr literarisches Umweltengagement ausgezeichneten Journalistin und Romanautorin aus den USA, über ihren Text „Island Hospitality“. Sie thematisiert die Enttäuschung von Touristen, die auf von der Korallenbleiche zerstörte Riffe treffen.

Mit dem Holländer Jan Paul Schutten kommt Martin Zimmer am 12. September im Kinder- und Jugendprogramm des Festivals über das Aussterben der Trilobiten im Erdaltertum aufgrund eines früheren Klimawandels ins Gespräch. „Als Biologe mit einem starken evolutionsbiologischen Hintergrund hat mir die Idee gefallen, jungen Lesern am Aussterben einer ehemals erfolgreichen Gruppe von Tieren aufzuzeigen, was die Menschheit alles falsch macht“, meint Martin Zimmer.

Am 16. September spricht die Wissens- und Entwicklungssoziologin Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge mit der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada über ihren Text „Meine Salzwassermutter von Minamata zu Fukushima“. Die mit dem Kleist-Preis ausgezeichnete Schriftstellerin setzt sich seit der Fukushima-Katastrophe für eine kulturelle Öffnung Japans, gegen Atomkraft und jede Form von Krieg ein.

„Als Teil der Generation, die mit Büchern von Gudrun Pausewang und elterlichen Ängsten nach Tschernobyl aufgewachsen ist, sehe ich in Tawadas Arbeiten das Wissen unserer eigenen Fehlbarkeit. Fehlbarkeit versinnbildlicht durch die von uns nicht überblickbaren Auswirkungen von Radioaktivität im Meer. Ihre Texte ermöglichen es den Lesern, sich mit den vom Menschen geschaffenen und unkontrollierbaren Gefahren der Moderne gedanklich und emotional auseinanderzusetzen“, begründet Anna-Katharina Hornidge ihr Interesse am literarischen Werk Yoko Tawadas.

Die Veranstaltungstermine mit Beteiligung der ZMT-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern im Überblick:

11.9.17, Buchhändlerkeller, 21:00 Uhr
JoeAnn Hart und Martin Zimmer
„Island Hospitality“

12.9.17, Haus der Berliner Festspiele, 9:00 Uhr
Jan Paul Schutten und Martin Zimmer
„Hoe de Trilobieten uiteindelijk de Oceanen verdwenen“

16.9.17, Buchhändlerkeller, 21:00
Yoko Tawada und Anna-Katharina Hornidge
„Meine Salzwassermutter von Minamata zu Fukushima“