Senegalesische Fischer, im Hintergrund pumpen Trawler ihren Fang in die Fischmehlfabrik in Nouadhibou, Mauretanien | Foto: Henryk Alff

Fischerei in Westafrika: Kooperation und Konkurrenz um marine biologische Ressourcen

Die Fischereiflotte Chinas, heute die mit Abstand größte der Welt, operiert auf Basis bilateraler Verträge mit den Anrainerstaaten zunehmend aktiver entlang der Atlantikküste Westafrikas. Gemeinsam mit den steigenden Investitionen in die industrielle Fischmehlproduktion lässt sich das strategische Engagement der chinesischen Regierung im Fischereisektor Westafrikas als Teil des infrastrukturellen Großprojekts Maritime Seidenstraßeninitiative (MSRI) verstehen. Entlang der westafrikanischen Küste bildet die lokale Kleinfischerei mit Holzpirogen jedoch auch seit jeher zu den wichtigsten Erwerbsquellen und versorgt den Großteil der Bevölkerung mit tierischem Protein.

Prof. Anna-Katharina Hornidge, Leiterin der sozialwissenschaftlichen Abteilung des ZMT und Koordinatorin der COST Action ‚Ocean Governance‘, und Dr. Henryk Alff, Postdoc-Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Entwicklungs- und Wissenssoziologie, forschten während eines einmonatigen Aufenthalts im Rahmen eines 'PADDLE Secondment' mit der Université Cheikh Anta Diop (UCAD) in Dakar zu den vielfältigen Interaktionen zwischen chinesischen und lokalen Fischereiakteuren und deren sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen.

Diese zeigen sich etwa in Konkurrenz-, Kooperations- und Anpassungserscheinungen. So berichteten Kleinfischer in unterschiedlichen Landungshäfen Dakars im Gespräch mit Hornidge und Alff von positiven Effekten, vor allem der gestiegenen Nachfrage bei chinesischen Fischhändlern nach bisher kommerziell uninteressanten Arten und den gestiegenen Einnahmen, die sie dadurch erzielen würden. Im Gegensatz dazu äußerten sich in der lokalen Fischverarbeitung (vor allem durch Salzen und Trocknen) beschäftigten Frauen deutlich negativer, da ihnen der Zugang zu bezahlbaren Ressourcen aufgrund der Konkurrenzsituation zunehmend verwehrt bleibt.

Hornidge und Alff leiten ein sich derzeit formierendes Netzwerk von Wissenschaftlern in Deutschland, Westafrika, Südostasien und China an, das sich um eine empirisch fundierte Bewertung der MSRI aus Sicht der Fischerei bemüht.