Meine erste Feldarbeit, für das vom DFG geförderte SPP Projekt 'Holocene Sea-Level changes in Southeast Asia', brachte mich nach Indonesien, genauer nach Makassar, der Hauptstadt von Sulawesi. Hier wollten wir auf einigen Inseln des Spermonde Archipels fossile Mikroatolle finden, beproben (Fig1) und mit lebenden vergleichen (Fig.2). Aufgrund ihrer Lebensweise sind sie hervorragende Meeresspiegelindikatoren und können für die Rekonstruktion des Meeresspiegels im Holozän erforscht werden. Ihre Besonderheit drückt sich darin aus, dass sie nur so lange in die Höhe wachsen, bis sie bei Ebbe noch minimal von Wasser bedeckt sind. Aufgrund dieser Eigenschaft kann an ihnen der mittlere Meeresspiegel vergleichsweise genau rekonstruiert werden.



Figure 1:Beprobung von einem fossilen Mikroatoll unter Wasser
Figure 2:Lebendes Mikroatoll auf Pulau Tambakulu
Figure 3: Sedimentkerne wurden mit einem Rammkernbohrer genommen /
Figure 4: Beachrock
Figure 5: Fossile Microatolle auf Pulau Sanrobengi
Figure 6: Pulau Sanrobengi, eine letzte Mangrove umgeben von fossilen Mikroatollen

Zu Beginn der Reise war ich einige Tage in Jakarta. Hier musste die Forschungserlaubnis ausgestellt und abgeholt werden, sodass im Anschluss der Feldarbeit in Makassar nichts mehr im Wege stand. Dort ging es am 6.10. endlich los. Wir (zwei indonesische Studenten, drei Helfer, der Kapitän und 2 Crewmitglieder, Thomas Mann vom ZMT und ich) haben für vier Tage auf einem kleinen Boot gewohnt, um die weit vom Festland entfernten Inseln des Spermonde Archipels nach Mikroatollen abzusuchen und Sedimentkerne zu nehmen. Auf den Inseln Tambakulu und Suranti sind wir auf die ersten neun Mikroatolle gestoßen und haben zehn je 1 Meter tiefe Kerne genommen (Fig. 3). Zusätzlich, zu der Suche nach Mikroatollen haben wir auf verschiedenen Inseln Sensoren ausgesetzt, die bis zum Ende der Arbeit, also zehn Tage lang, den Tidenhub aufzeichneten.

Nach den vier Tagen sind wir zurück nach Makassar gefahren und haben uns über die stabilen Duschen und das abwechslungsreichere Essen gefreut. Außerdem mussten für die kommenden Tagestouren noch einige Dinge besorgt und organisiert werden. Wir sind jeden Tag zu zwei bis drei Inseln gefahren und haben letztendlich 26 Mikroatolle vermessen und zum Datieren beprobt. Als weiteren Indikator haben wir Beachrock Proben (Fig.4) und zusätzlich eine Scheibe eines gut erhaltenen fossilen Mikroatolls mit nach Deutschland gebracht.

Die weitaus bemerkenswerteste Insel war Pulau Sanrobengi (Fig. 5 und 6). Wir sind aufgrund verstreuter Hinweise und meinem Bauchgefühl dorthin gefahren und fanden innerhalb kürzester Zeit eine Reihe vielversprechender fossiler Mikroatolle. Ich habe gedacht alle Inseln wären wie die Vorangegangenen mit wenigen fossilen Mikroatollen, dafür mit vielen Seeigeln und Korallen bestückt, doch hier wurde uns bei Ebbe ein weites Feld mit einer enormen Anzahl von fossilen Mikroatollen dargeboten. Auf der trockenfallenden Riffhälfte gab es nichts, außer den fossilen Atollen und Korallenschutt. Ein ganz anderes aber extrem beeindruckendes Bild. Mittendrin stand eine alte einsame Mangrove, die sich den Wellen offenbar nicht hingeben möchte und die als einzige den Kampf bisher gewonnen hat. Dieser Ort war mit Abstand die größte Überraschung der Feldarbeit.

Zusammenfassend lässt sich sagen, das die Geländearbeit sehr anstrengend in Vorbereitung und Ausführung war, aber auch sehr erfolgreich. Die nächsten Monate werde ich mit der Auswertung der erhobenen Daten beschäftigt sein. Wenn dann die Radiokarbonalter der unterschiedlichen fossilen Mikroatolle vorliegen kann ich hoffentlich mehr zum holozänen Muster des Meeresspiegels in Indonesien sagen.