ZMT-Forscher bereiten mit Kindern in Fidschi und Vertretern des dortigen Meeresschutzgebiets Messungen vor, um Wellenabschwächung durch eine angepflanzte Mangrove zu bestimmen | Foto: Martin Zimmer

Mangrovenexperten der Weltnaturschutzunion IUCN tagten am ZMT

Vom 12. bis 17. September lud das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) zu einem internationalen Wissenschaftssymposium über den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Mangroven, deren Bestand weltweit dramatisch zurückgeht. Zu der Tagung der Mangroven-Fachgruppe der Weltnaturschutzunion IUCN kamen knapp 100 der führenden Mangrovenforscherinnen und -forscher aus aller Welt. Das renommierte Treffen findet seit 2013 einmal im Jahr an wechselnden Orten statt und kam jetzt auf Initiative des ZMT erstmals nach Deutschland in die Hansestadt Bremen.

Mangrovenwälder gedeihen in dem Menschen meist unwirtlich erscheinenden Lebensräumen. Die 70 bis 80 verschiedenen Mangrovenarten wachsen in der Gezeitenzone oder an Flussmündungen und können in Salzwasser und Sedimenten mit wenig Sauerstoff leben – toxische Bedingungen für die meisten Pflanzen. Weltweit erstrecken sich Mangroven über eine Fläche von rund 15 Millionen Hektar. Jährlich fallen jedoch bis zu 2 % dieser hochproduktiven Küstenökosysteme Rodung und Abholzung zum Opfer, um Platz für  Hotelanlagen, Palmölplantagen oder Aquakulturteiche zu schaffen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen daher zunehemend vor der Frage, wie man die Mangroven schützen und nachhaltig nutzen kann, denn für Menschen und Tiere spielen diese tropischen Küstenwälder eine wichtige Rolle. „Mangroven speichern riesige Mengen an Kohlenstoff und Stickstoff in ihren Sedimenten und tragen erheblich zum globalen Klimaschutz bei“, erklärt Prof. Dr. Martin Zimmer, Leiter der Arbeitsgruppe Mangrovenökologie am ZMT und Organisator des Tagung. „Darüber hinaus bewahren sie Küsten vor Erosion durch Sturmwellen. Da ein Drittel der Weltbevölkerung an Küsten lebt, ist auch diese Schutzfunktion von enormer Bedeutung.“

Auf dem Symposium der Mangroven-Fachgruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN) trafen sich internationale Forscherinnen und Forscher verschiedenster Disziplinen zum fachlichen Austausch. Das Tagungsprogramm ist breitgefächert: In 35 Vorträgen und 30 Postern wurden Fragestellungen rund um die übergeordneten Themen Wiederherstellung und Schutz von Mangrovenwälder diskutiert. Viele der Vortragenden arbeiten in Wiederaufforstungsprojekten oder Schutzgebieten in Bangladesch, Gambia, Indonesien, Kolumbien, Jamaika, Malaysien, Phillipinen, Tansania oder den USA.

„Mangroven sind erst vor einigen Jahrzehnten sehr stark in das Interesse der Forschung gerückt, seit man mehr über ihre wichtige Rolle als Kohlenstoffsenke weiß“, so Prof. Zimmer. „Gleichzeitig sind diese wertvollen Ökosysteme die Kinderstube für viele Fische und andere Meerestiere, die nicht nur die Bevölkerung vor Ort, sondern auch wir in Deutschland als Nahrungsquelle nutzen. Erst wenn wir das Ökosystem Mangrove verstehen, können wir es auch adäquat schützen. Dazu trägt das IUCN Symposium jedes Jahr einen Teil bei.“


IUCN Symposium Programm
IUCN Mangrove Symposium Abstracts Booklet