In Sansibar arbeiten Fischer mit dem ZMT gemeinsam an Lösungen für die nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen

Fischer und Forscher in Sansibar im Team für Nachhaltigkeit

Die Doktorarbeit der Fischerökologin Jennifer Rehren wurde in Bremen und Sansibar im Rahmen der SUTAS Leibniz Graduiertenschule betreut. Der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Achim Schlüter leitet am ZMT die Arbeitsgruppe „Institutionen und Verhaltensökonomik“. Im Interview berichten sie über vernetzte interdisziplinäre Wissenschaft, in Sansibar.

Welches Problem haben Sansibars Fischer?

Jennifer  Rehren: In  den  Fischerdörfern  an  der  Ostküste Sansibars sind viele Fischer davon überzeugt, dass die Ressourcen in Chwaka Bay überfischt sind.

Achim  Schlüter:  Außerdem  gelten  zwei  Nachbardörfer  als untereinander zerstritten, die jeweils unterschiedliche Fangmethoden  einsetzen:   Schleppnetze,  Reusen  und  Speere.  Den  Schleppnetzfischern  wurde  in  der  Vergangenheit immer wieder ihre umweltschädliche Fangmethode vorgeworfen und und die mangelnde Bereitschaft zur Kooperation.

Gibt es Lösungen?

Achim Schlüter: Alle Fischer sind sich darüber im Klaren, dass man an einem Strang ziehen muss, um ein nachhaltiges Fischereimanagement in der Region zu etablieren.

Jennifer Rehren: Es hat Versuche gegeben, die Schleppnetzfischerei in der Bucht zu verbieten und illegale Fanggeräte auszutauschen. Das hat die Situation nicht verbessert.

Achim Schlüter: Ursache ist die ökonomische Abhängigkeit der Fischer. Ein Boot mit Schleppnetzen ernährt rund zehn Fischer. Würden sie arbeitslos, müssten sie in die Anschaffung von Reusen und Boot investieren. Dazu sind sie nicht in der Lage.

Was kann interdisziplinäre ZMT-Forschung bewirken?

Achim Schlüter: Die Erforschung der sozioökonomischen Hintergründe ist sehr hilfreich, um Handlungsoptionen zu finden.  Wir  haben  außerdem  das  Kooperationsverhalten  am  Beispiel  der  zwei  Dörfer  untersucht  und  festgestellt, dass die Nutzung der nachhaltigeren Fangmethoden nicht notwenig  mit  der  Bereitschaft  zur  Zusammenarbeit  für  mehr  nachhaltige  Fischerei  einhergeht. 

Es  kommt  hingegen  darauf  an,  wie  gewohnt  die  Fischer  sind,  zusammen  zu  arbeiten.  Die  Schleppnetzfischerei  vor  Ort  verlangt  mehr Kooperation vom Einzelnen als die  Reusenfischerei, die  autonom  betrieben  wird.  Solche  Erkenntnisse  helfen  allen Beteiligten im Umgang miteinander.

Jennifer Rehren: Ich habe zudem ein Jahr lang in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Fischern eine fischereiökologische Erhebung der Bestände in der Chwaka Bucht durchgeführt. Für drei regional wichtige Arten wissen wir jetzt,  dass  sie  Anzeichen  einer  Überfischung  zeigen,  und  wir wissen auch, welche Fangmethoden auf sie den stärksten Druck ausüben.

Überraschenderweise geht der größte Druck von der effektiveren Reusenfischerei aus. In einem Workshop mit den Fischern aus den drei Dörfern habe ich die  Ergebnisse  vermittelt  und  diskutiert. 

Die  Akzeptanz  und  die  Kooperationsbereitschaft  waren  jetzt  sehr  hoch. Das Ergebnis waren sehr konkrete Vorschläge seitens dern Fischer,  wie  man  nun  reagiert:  ein  marines  Schutzgebiet,  das  gar  keine  Fischerei  zulässt,  stand  zur  Debatte  oder die Anlage eines künstlichen Riffs, mit dem die Biomasse erhöht  werden  kann.  Die  Vorschläge  der  Fischer  werden jetzt in den Dörfern diskutiert und von mir in einer Empfehlung an die Politik* zusammengefasst.

*Mit Policy Briefs zielt das ZMT auf den praktischen Nutzen der eigenen Forschung und formuliert konkrete umweltpolitische Empfehlungen für politische Entscheidungsträger.

Autorin: Bettina Mittelstrass