Time for orientation: Insights into marine research during a Voluntary Ecological Year
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Nach dem Abitur stand für Hanna Brandes aus Bremen vor allem eine Frage im Raum: Wie geht es weiter? Studieren – und wenn ja, was? Oder zunächst praktische Erfahrungen sammeln? Die 18-Jährige entschied sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen.
„Ich war mir nicht sicher, was ich nach dem Abi machen möchte“, sagt sie. „Meeresbiologie fand ich schon lange spannend. Aber ich wusste nicht, ob ich direkt studieren will.“
Der entscheidende Hinweis kam aus dem Bekanntenkreis. Eine Freundin stellte den Kontakt zu einem Mitarbeiter des Instituts her. Eine offizielle Ausschreibung für die FÖJ-Stelle gab es damals noch nicht. „Mir wurde gesagt, dass in der Aquaristik immer Unterstützung gebraucht wird. Also habe ich meine Bewerbung einfach ans ZMT geschickt – und gehofft. Und dann hat es tatsächlich geklappt“, erzählt Hanna.
Zwischen Mangroven und Korallen
Ihr Arbeitstag beginnt flexibel zwischen 8 und 9 Uhr, meist ist sie gegen 8.30 Uhr vor Ort. Sie arbeitet sieben Stunden täglich, insgesamt 35 Stunden pro Woche. Die Vergütung ist im FÖJ bundesweit geregelt.
Ein Großteil ihrer Zeit entfällt auf die Aquarienanlagen. Dort unterstützt sie bei Pflege und Versorgung von Korallen, Pflanzen und Fischen. „Ich besprühe zum Beispiel täglich die Mangroven mit Wasser, um natürliche Bedingungen zu simulieren. Es ist faszinierend, wie realitätsnah wir ihre Lebensräume nachbilden.“
Auch das Reinigen der Becken und das Füttern der Tiere gehören dazu. Besonders angetan hat es ihr ein neugieriger Zwerglippfisch im Foyerbecken. „Der ist richtig frech. Sobald ich Futter ins Wasser gebe, schwimmt er heran und schnappt den anderen alles weg“, sagt sie und lacht.
Lernen im laufenden Betrieb
Zu Beginn hatte Hanna kaum Vorkenntnisse in Aquaristik. „Beim ersten Rundgang wurde mir erklärt, wie ein Aquarium technisch aufgebaut ist und wie die Systeme funktionieren.“ Im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen wächst ihr Wissen stetig – über Arten, ökologische Zusammenhänge und laufende Projekte. Ein Fachbuch zur Aquaristik begleitet sie durch das Jahr.
Ein besonderes Erlebnis war die interne ZAC-Konferenz zu Jahresbeginn. Dort stellten Forschende ihre aktuellen Arbeiten vor. „Es war beeindruckend zu sehen, woran hier geforscht wird“, sagt Hanna. Untersucht wird unter anderem, wie tropische Küstenökosysteme wie Korallenriffe und Mangrovenwälder auf Klimawandel und Umweltveränderungen reagieren – und wie sich diese Lebensräume nachhaltig nutzen und schützen lassen, etwa in Fischerei und Küstenmanagement.
Auch jenseits des offiziellen Programms lernt sie viel – bei Gesprächen in der Kaffeeküche über neue Projekte, Abschlussarbeiten oder internationale Kooperationen.
Mehr als Aquaristik
Neben der Arbeit an den Becken erhält Hanna Einblicke in weitere Bereiche des Instituts. Sie unterstützt Veranstaltungen, hilft zeitweise in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und testete ein neu entwickeltes Escape Game des ZMT.
„Man bekommt hier einen guten Eindruck davon, wie der Alltag an einem Forschungsinstitut funktioniert – nicht nur im Labor, sondern auch organisatorisch.“
Studienpläne? Noch offen.
Ob sie später Meeresbiologie studieren möchte? „Ich habe mit ehemaligen Studierenden gesprochen und kann mir das gut vorstellen – vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr.“ Das FÖJ verschaffe ihr Zeit und Orientierung – und sei ideal für alle, die noch unsicher sind.
Ihr Fazit: „Ich kann ein FÖJ jedem empfehlen, der noch nicht genau weiß, wie es nach dem Abi weitergeht. Gerade wenn man starkes Interesse hat, aber unsicher ist, ob man sofort studieren möchte, hilft so ein Jahr sehr. Man merkt schnell, ob das Interesse wirklich trägt.“
