Zwei Männer stehen links und rechts neben einem Firmenschild des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT

Nachhaltigkeitsforscher Raimund Bleischwitz übernimmt wissenschaftliche Leitung des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT)

Professor Raimund Bleischwitz ist seit Jahresbeginn der wissenschaftliche Geschäftsführer des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen. Der international renommierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler tritt die Nachfolge des Fischereibiologen Dr. Werner Ekau an, der die wissenschaftliche Leitung seit Juli 2020 kommissarisch ausübte. Bleischwitz kommt vom University College London (UCL), weltweit eine der Top-10-Universitäten. Dort hatte er die Professur für Nachhaltige Globale Ressourcen inne und war Direktor der Bartlett School of Environment, Energy and Resources. Eine Kooperationsprofessur in Bremen ist geplant.

Raimund Bleischwitz forscht auf dem Gebiet der Produktivität natürlicher Ressourcen in Wirtschaft und Gesellschaft und beschäftigt sich mit den multidisziplinären Herausforderungen von Ressourcennutzung. Seine Arbeiten betonen sowohl die Interaktion zwischen Ressourcen und Ökosystemen („Nexus“) als auch die Chancen einer Ressourcenpolitik für Innovationen und verbesserte Lebensverhältnisse.

Am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) möchte Bleischwitz die Forschung zum Thema „Blue Carbon“ (Bindung von Kohlenstoff in Küsten- und Meeresökosystemen) vertiefen und einen Fokus auf das Wirtschaftsmodell der „Blue Economy“ legen.

Raimund Bleischwitz sagt: „Das ZMT hat in den letzten Jahren exzellent gearbeitet, und ich freue mich auf die Leitungsaufgaben. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden möchte ich das Profil im Klimaschutz und für die biologische Vielfalt schärfen und mit den Menschen in Tropenländern Nachhaltigkeitsziele durch eine Blue Economy entwickeln. Die natürliche CO2-Speicherung der Meere benötigt multidisziplinäre Forschungsansätze, u.a. zum Ökosystemmanagement der Ozeane und Küstengebiete und eine verstärkte Transformationsforschung. Damit will ich auch den Wissenschaftsstandort Bremen stärken.“

Die Bremer Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Dr. Claudia Schilling, heißt Raimund Bleischwitz herzlich willkommen: „Professor Dr. Raimund Bleischwitz ist in seinem Forschungsbereich ein international sehr anerkannter und gut vernetzter Wissenschaftler. Er passt deshalb ausgezeichnet zu uns nach Bremen, denn wir sind als der größte deutsche Standort für Meeres-, Küsten- und Klimawissenschaften ebenfalls stark international ausgerichtet.

Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) mit seiner interdisziplinären und anwendungsorientierten Erforschung der tropischen und subtropischen Küstenökosysteme hat in der breit aufgestellten Bremer Meeresforschung dabei einen zentralen Platz.

Ich freue mich, dass wir Herrn Professor Bleischwitz für die wissenschaftliche Leitung des ZMT gewinnen konnten. Ich bin mir sicher, dass er das Marine Tropenforschungszentrum weiterhin stärken und international verankern wird.

Ich danke an dieser Stelle aber auch Herrn Dr. Werner Ekau für seine geleistete Arbeit am ZMT.“

Professor Martin Visbeck, Vorsitzender des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats des ZMT, ergänzt: „Die Übernahme der wissenschaftlichen Leitung des ZMT durch Professor Raimund Bleischwitz wurde vom Internationalen Wissenschaftlichen Beirat mit Freude begrüßt. Herr Bleischwitz bringt eine internationale Karriere mit und hat ausgewiesene Erfahrung in der interdisziplinären Zusammenarbeit und in dem Bereich der Sozialwissenschaften. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und wünschen ihm viel Freude und Erfolg am ZMT.“ Auch Dr. Nicolas Dittert, kaufmännischer Geschäftsführer am ZMT, begrüßt seinen neuen Kollegen: „Das ZMT hat im vergangenen Jahr die Leibniz-Evaluierung mit Bestnoten bestanden. Mit Raimund Bleischwitz hat das Institut einen wissenschaftlichen Geschäftsführer gefunden, der das ZMT noch stärker profilieren und die Transdisziplinarität in unserer sozial-ökologischen Forschung ausbauen kann. Ich freue mich sehr, ihn in allen Belangen zu unterstützen.“ 

Über Raimund Bleischwitz
Raimund Bleischwitz ist ein anerkannter Experte und Politikberater in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Rohstoffkonflikte, Öko-Innovation, und Ressourcenpolitik. So ist er aktuell Mitglied einer Expertengruppe beim britischen Umweltministerium (DEFRA) und beriet die Europäische Kommission im Vorfeld des Circular Economy Pakets.

Er hat mehr als 300 Publikationen veröffentlicht, u.a. in namhaften Fachmagazinen wie Nature, Nature Sustainability, Global Environmental Change oder Journal of Cleaner Production. Er forschte und lehrte am Europakolleg in Belgien, an der Transatlantic Academy in den USA, sowie am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und ist mit der Shanghai Jiao Tong Universität in China sowie dem Smart Prosperity Institut in Kanada verbunden.

Im Zuge seiner mehr als 20-jährigen Laufbahn sammelte Bleischwitz fundierte Erfahrung im Aufbau und der strategischen Entwicklung wissenschaftlicher Forschungsinstitute.

Nach seiner Berufung an das University College London (UCL) im Jahr 2013 baute er dort das Institut für Nachhaltige Ressourcen (UCL Institute for Sustainable Resources) auf, eines von vier Instituten der Bartlett School of Environment, Energy and Resources am UCL, deren Direktor er im August 2018 wurde.

Vor seiner Zeit in Großbritannien war Bleischwitz stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe „Stoffströme und Ressourcenmanagement“ am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, eine der ersten internationalen Denkfabriken in der Nachhaltigkeitsforschung.

In den neunziger Jahren unterstützte er Ernst Ulrich von Weizsäcker bereits beim Aufbau des einflussreichen Instituts und war dessen ständiger Vertreter in einem Nationalen Komitee zur Vorbereitung des Earth Summit 1992. Als einer der Hauptautoren verfasste er im Jahr 1996 den Bericht „Zukunftsfähiges Deutschland: Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung“, der eine breite öffentliche Debatte über nachhaltige Entwicklung in Deutschland anregte.

Der gebürtige Rheinländer promovierte mit einer Arbeit über Ressourcenproduktivität an der Bergischen Universität Wuppertal (1998). Im Jahr 2005 habilitierte er sich in Wirtschaftswissenschaften zum Thema „Gemeinschaftsgüter durch Wissen generierende Institutionen“ an der Universität Kassel.