Entnahme eines Korallenbohrkerns in Thailand | Foto: Yvonne Sawall, ZMT

28.05.2018 | Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) konnte sich in der kürzlich gestarteten Forschungsinitiative für das Pariser Klimaabkommen durchsetzen, mit der Deutschland und Frankeich die Forschung zum Klimawandel stärken. Aus rund 300 Bewerbungen wählte eine Expertenjury des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) 13 renommierte internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Projektleiter in Deutschland aus. Für das ZMT machte der Geowissenschaftler Dr. Henry C. Wu im Bereich „Erdsystemforschung“ das Rennen. Der DAAD fördert sein Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Million Euro.

Im Rahmen des fünfjährigen Projekts „Witnesses to the Climate Emergency: Ocean acidification crisis and global warming observations from tropical corals (OASIS)“ wird Henry Wu die Entwicklung der Ozeanversauerung in tropischen Meeren untersuchen. Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Auswirkungen der Ozeanversauerung in den Tropen sind bisher sehr begrenzt. Dies liegt an fehlenden Langzeitmessungen des pH-Wertes im tropischen Ozean und nicht vorhandener Proxy-Rekonstruktionen.

Durch Analysen von Bor-Isotopen im Skelett langlebiger tropischer Korallen wird Wu pH-Werte der Vergangenheit und Gegenwart in verschiedenen geographischen Regionen des Atlantiks, Pazifiks und Indischen Ozeans bestimmen. Er wird dabei nicht nur Veränderungen des pH-Wertes vor und seit der Industriellen Revolution rekonstruieren, sondern  auch damit assoziierte Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur und Karbonatchemie tropischer Ozeane untersuchen (s. Projektbeschreibung unten).

„Tropische Riffe reagieren stark auf den Klimawandel, erhöhte Wassertemperaturen führen zur Korallenbleiche, Ozeanversauerung  beeinflußt das Wachstum von kalkbildenden Korallen auf komplizierte Art und Weise“, so ZMT-Direktorin Hildegard Westphal, Leiterin der Arbeitsgruppe Geoökologie und Karbonatsedimentologie, der Wu angehört.

In den kommenden Monaten wird Henry Wu am ZMT seine eigene Forschungsgruppe aufbauen. Darüber hinaus sind mit den in Frankreich ausgewählten Forscherinnen und Forschern regelmäßige Treffen und Konferenzen geplant. Dadurch wird gleichzeitig die deutsch-französische Forschungskooperation ausgebaut.

Mit seinem Projekt ist Henry Wu Teil des deutsch-französischen Programms „Make Our Planet Great Again“, das beide Regierungen nach dem Pariser Klimaabkommen vereinbart haben. Das Programm ist auf insgesamt fünf Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 15 Millionen Euro finanziert.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sieht die Förderung von Spitzenforschung als zentralen Baustein des Pariser Klimaabkommens: „Die Politik braucht die soliden Fakten der Wissenschaft, um gute Entscheidungen zu treffen, mit denen der Klimawandel begrenzt und seine negativen Folgen beherrscht werden können. Für uns sind wissenschaftliche Erkenntnisse die Grundlage des Handelns. Deutschland und Frankreich sind sich einig, dass wir für international ausgezeichnete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beste Forschungschancen bieten wollen.“

Von den 13 für Deutschland ausgewählten Wissenschaftlern kommen sieben aus den USA, zwei waren zuletzt in Großbritannien tätig und jeweils einer in der Schweiz, Kanada, Südkorea und Australien. Sie wurden aus rund 300 Bewerbungen in den Bereichen „Climate Change“,„Earth System Research“ und „Energy Transition“ ausgewählt.

„Die zahlreichen exzellenten Bewerbungen zeigen, dass Deutschland ausgezeichnete Bedingungen für internationale Forscherinnen und Forscher bietet“, sagt DAAD-Präsidentin Prof. Margret Wintermantel. „Die ausgewählten Vorhaben werden einen gewichtigen Beitrag zur Klima-, Energie- und Erdsystemforschung leisten und darüber hinaus international nachhaltige Forschungskooperationen etablieren.“

Projektbeschreibung „Witnesses to the Climate Emergency: Ocean acidification crisis and global warming observations from tropical corals (OASIS)“:

Unsere Ozeane nehmen beträchtliche Mengen des Klimagases Kohlendioxid (CO2) aus der Erdatmosphäre auf. Wenn überschüssiges CO2 mit dem Meerwasser zu Kohlensäure reagiert, sinkt der pH-Wert des Meerwassers. Dieser Prozess wird als Ozeanversauerung bezeichnet und hat Auswirkungen auf kalkbildende Organismen wie Korallen, Muscheln und einige Planktonarten und ihre Fähigkeit ein voll funktionsfähiges Kalkskelett aufzubauen.

Im Rahmen des fünfjährigen Projekts „Witnesses to the Climate Emergency: Ocean acidification crisis and global warming observations from tropical corals (OASIS)“ wird Henry Wu die Entwicklung der Ozeanversauerung in tropischen Meeren untersuchen. Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Auswirkungen der Ozeanversauerung in den Tropen sind bisher sehr begrenzt. Dies liegt an fehlenden Langzeitmessungen des pH-Wertes im tropischen Ozean und nicht vorhandener Proxy-Rekonstruktionen.

Durch Analysen von Bor-Isotopen in langlebigen tropischen Korallen will Wu die pH-Werte des Meerwassers in verschiedenen geographischen Regionen des Atlantiks, Pazifiks und Indischen Ozeans bestimmen. Bor ist ein natürlicher Bestandteil von Meerwasser und seine Isotope sind empfindlich gegenüber Veränderungen des pH-Werts im Ozean. Korallen nehmen dieses Meerwasser auf, um ihr Kalkskelett bilden. Jegliche Veränderung im pH-Wert kann in den Isotopen von Bor nachgewiesen werden, die im Korallenskelett eingeschlossen sind.

Henry Wu wird nicht nur Veränderungen des pH-Wertes vor und seit der Industriellen Revolution rekonstruieren, sondern  auch damit assoziierte Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur und Karbonatchemie tropischer Ozeane untersuchen.

Indem er den pH-Wert der der letzten Jahrhunderte bestimmt, kann Wu die globale Entwicklung der Ozeanversauerung, der pH-Veränderungen und des Karbonatgehalts tropischer Meere rekonstruieren. Diese Ergebnisse werden wertvolle Daten liefern, um die Menge des in die Ozeane eindringenden CO2 zu verstehen und Rückschlüsse auf die Veränderungen der Klimaparameter zu ziehen.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus diesem Projekt bieten fundierte Informationen für politische Entscheidungsträger und Akteure, die sich dafür einsetzen, den CO2-Anstieg in der Atmosphäre und dessen negative Folgen einzudämmen.

Mehr über das Forschungsprojekt OASIS.