Korallenbleichen nehmen mit der globalen Erwärmung zu | Foto: Claudia Pogoreutz, ZMT

Auswirkungen globaler Veränderungen und sozial-ökologische Reaktionen

Im Programmbereich 2 werden die Ursachen und Folgen ökologischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen (z.B. Erderwärmung, CO2-Anstieg, Meeresspiegelanstieg, Sauerstoffmangel, globale Verschmutzung, Veränderungen im Bereich der Gesetze, Politik, Normen, sozialen Werte und Verhaltensweisen, Preise und Märkte) auf globaler Ebene untersucht, die sich auf tropische Küstensysteme auswirken und auch sozialökologische Feedbacks sowie Wechselwirkungen mit dem Klima beinhalten.

Die Auswirkungen globaler Stressoren werden auf Organismusebene an marinen Mikroben, Plankton und einer Reihe von marinen Pflanzen und Tieren im Hinblick auf physiologische, verhaltensbedingte und funktionelle Veränderungen untersucht. Auf Gemeinschaftsebene befasst sich unsere Forschung mit Veränderungen in der Struktur von Nahrungsnetzen und in der Artenzusammensetzung sowie mit den taxonomischen, phylogenetischen und funktionalen Aspekten der Biodiversität.

Auf Ökosystemebene liegt ein besonderes Augenmerk auf a) aktuellen Dynamiken und historischen Veränderungen der Umweltbedingungen (z.B. Oberflächentemperatur der Meere und Kohlenstoffchemie), b) Veränderungen in der Fischerei und den Kohlenstoffflüssen in Küstenauftriebssystemen, c) Verschlechterung der Küstenfeuchtgebiete und damit verbundene Veränderungen des Kohlenstoffkreislaufs heute und in der jüngsten Vergangenheit, d) Erforschung der Randbedingungen für gesunde tropische Küstenökosysteme, einschließlich der Nutzung von Paläorekonstruktion und e) Verschiebung der Verteilungsbereiche von Mangroven, Seegräsern und Korallenriffen. Wir ermitteln, wie diese Veränderungen neue Ökosysteme hervorbringen, wie sie interspezifische Interaktionen und Ökosystemfunktionsebenen verändern und Ressourcen umverteilen, von denen menschliche Gesellschaften abhängig sind.

Wir untersuchen wie Veränderungen im Ressourcenreichtum menschliche Gesellschaften veranlassen, sich anzupassen und auf neue und unterschiedliche Weise zu entwickeln, was wiederum Auswirkungen auf die Ökosysteme hat. Wir fragen wie menschliche Gesellschaften Umweltveränderungen und Ressourcenumverteilungen wahrnehmen und wie diese Wahrnehmungen ihre Reaktionen auf den globalen Wandel beeinflussen. Die gesellschaftlichen Reaktionen auf globale Stressoren werden analysiert. Dies beinhaltet insbesondere Veränderungen der Praktiken in der Ressourcennutzung, das Entstehen von Konflikten und Kompromissen, Anpassung sowie Migration, ob vorübergehend oder dauerhaft, freiwillig oder erzwungen, innerhalb eines oder zwischen verschiedenen Ländern.

Der Schwerpunkt liegt auf alternativen Ansätzen für die Küsten- und Meerespolitik sowie auf Institutionen und Quellen sozialer Energie, die eine nachhaltige Governance und ein nachhaltiges Management von Küsten- und Meeresystemen unterstützen. Die Rolle von Managementinstrumenten wie Fischereivorschriften oder die Einrichtung von Meeresschutzgebieten (Marine Protected Areas, MPAs) zur Eindämmung globaler Umweltveränderungen wird bewertet. Letztendlich wollen wir Konzept- und Rechenmodelle formulieren und entwickeln, mit denen Prozesse erklärt und die Zukunft von Ökosystemen und den von ihnen erbrachten Dienstleistungen in unterschiedlichen Szenarien des globalen Wandels vorhergesagt werden können.

Anmerkung: Als Sprecher der einzelnen Programmbereiche fungieren zwei Arbeitsgruppenleiter sowie ein Abteilungsleiter als Co-Sprecher, um dem interdisziplinären Forschungsansatz des ZMT Rechnung zu tragen. Sie sind unter dem Punkt „Kontakte“ aufgeführt.