Aufgrund des Klimawandels gehen Strände an tropischen Küsten weltweit verloren. | Foto: Steve Doo

Humboldt-Stipendiat untersucht Verlust von tropischen Stränden als Folge des Klimawandels

Mit einem begehrten Stipendium für Postdoktoranden der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) verbringt Dr. Steve Doo aus den USA ab Juni 2021 einen zweijährigen Forschungsaufenthalt am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen. Dort wird er die Auswirkungen des Klimawandels auf die Produktion von Strandsediment durch Rifforganismen untersuchen. Steve Doo ist Mitglied der Arbeitsgruppe Geoökologie und Karbonatsedimentologie unter der Leitung von Prof. Dr. Hildegard Westphal.

Aufgrund des Klimawandels gehen Strände an tropischen Küsten weltweit verloren, was Probleme für die lokale Bevölkerung mit sich bringt, die vielerorts vom Tourismus lebt. Dabei ist der Zusammenhang von Korallenriffen mit der Dynamik von Sandstränden noch wenig in den Fokus genommen worden. Diese Strände entstehen, wenn die Skelette kalkbildender Rifforganismen abgebaut und die winzigen kalkhaltigen Bruchstücke als Sand abgelagert werden. Zu diesen Kalkbildnern zählen nicht nur Korallen sondern auch Foraminiferen, winzige Einzeller, die oft nur wenige Millimeter groß sind.

Dr. Steve Doo | Foto: Jan Meier

Dr. Steve Doo | Foto: Jan Meier

In seiner Arbeit wird sich Steve Doo auf vergleichsweise große Vertreter solcher Einzeller, nämlich Große Benthische Foraminiferen (kurz LBF für large benthic foraminifera) konzentrieren, die mehrere Millimeter Durchmesser erreichen. Wie Korallen bilden auch Foraminiferen ihr Skelett aus Kalziumkarbonat. „Wenn LBFs sterben, bleibt ihr Kalkskelett zurück und wird vom Wasser wegtransportiert, unter anderem auch an Strände. In manchen Regionen können Skelette von LBFs mehr als 95% der karbonatischen Strandsedimente beitragen“, erklärt Doo.

Vieles ist bereits bekannt über die Produktion und die Ablagerung so entstandener Sedimente, doch bisher weiß die Wissenschaft noch wenig über die Dynamik, die beide Prozesse miteinander verbindet. Des Weiteren ist nicht vollständig geklärt, wie diese Prozesse durch die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre beeinflusst werden. Anhand von LBFs als Modellorganismen will Doo verstehen, wie Produktions- und Ablagerungsprozesse von Skeletten kalkbildender Organsimen die Stranddynamik beeinflussen, und wie der Klimawandel dieses verändern wird.

In der Meerwasserversuchsanlage (MAREE) des ZMT plant der Forscher, Experimente mit LBFs unter heutigen und für die Zukunft prognostizierten CO2-Bedingungen durchzuführen und dabei die  Wachstumsraten der LBFs zu bestimmen. Die Laborergebnisse werden ergänzt durch Daten aus dem Gelände, um die Karbonatproduktion von LBFs in Korallenriffen generell zu bestimmen.

Der Meeresökophysiologe Steve Doo wurde an der Universität von Sydney, Australien, promoviert. Danach war er als Postdoktorand an der California State University, Northridge, tätig. Als Doktorand und Postdoktorand forschte er in den USA, Australien, Französisch-Polynesien, Taiwan und Japan. Mit dem "Humboldt-Forschungsstipendium für Postdoktoranden" wird er jetzt einen zweijährigen Aufenthalt in Deutschland verbringen. Mit diesem Programm fördert die Alexander von Humboldt-Stiftung überdurchschnittlich qualifizierte Forscher aus aller Welt. Die Stipendiaten profitieren zudem von einer individuellen Förderung durch die Humboldt-Stiftung mit ihrem vielfältigen Portfolio.