Korallenfragmente | Foto: Andreas Kunzmann, ZMT

04.05.2021 | Eine neue Studie des ZMT beleuchtet den heutigen Stand der Riffrestaurationsforschung. Im Kurzinterview inder Reihe "Forschung kompakt"erklärt Dr. Sebastian Ferse die Ergbnisse der Untersuchung.

Was war die Ausgangsfrage der Studie?

Sebastian Ferse: Die wichtigsten Fragen waren, welche Techniken heutzutage in Riffrestaurationsprojekten mit Fokus Korallentransplantation angewendet werden und ob es dort Beispiele für „best practice“ gibt.

Was genau wurde untersucht?

Sebastian Ferse: Wir haben einen Fragebogen verwendet, um Informationen über die Vorgehensweise bei Korallentransplantation zu erheben. Der Fragebogen wurde an entsprechende Projekte gesandt. Abgefragt wurden u.a. Ort und Anzahl transplantierter Korallen, Ursprung der Transplantate, Hintergrund der durchführenden Person oder Institution, Zielsetzung, verwendete Arten, begleitende Maßnahmen und vorher durchgeführte Untersuchungen.

Was sind die neuen Erkenntnisse?

Sebastian Ferse: Es bestand reges Interesse am Austausch von Erfahrungen aus nicht-veröffentlichten Projektergebnissen. In vielen Projekten fehlt es aber an klar definierten Zielen sowie Indikatoren, um Ergebnisse zu evaluieren. Langzeitmonitoring und nachhaltige Finanzierung fehlen häufig ebenfalls. Die Ursachen für Riffdegradierung sind oft nicht explizit untersucht worden.

In den Restaurationsprojekten werden verzweigende Korallen bei weitem am häufigsten verpflanzt. Korallen aus Nachzucht werden hauptsächlich in größeren Projekten verwendet. Die Einbindung lokaler Akteure sowie nachhaltige Finanzierung werden von mehreren Befragten als sehr wichtig angesehen.

Was kann man daraus für Schlüsse ziehen?

Sebastian Ferse: Es bedarf etablierter Standards für die Durchführung von Riffrestauration und Korallentransplantation, sowohl was die Erfolgsindikatoren als auch die Zielsetzung angeht. Wichtig ist auch die Einbindung lokaler Akteure.

Weitere Forschung und Entwicklung sind notwendig, bis Korallen nachhaltig produziert und in großem Maße transplantiert werden können. Es besteht nach wie vor ein gewisses Risiko, dass Korallentransplantation als schnelle Lösung gesehen und nicht ausreichend von Begleitmaßnahmen flankiert wird.

Was können Auswirkungen auf das Riffökosystem sein?

Sebastian Ferse: Restaurierte Bereiche im Riff sind in der Regel artenärmer. Die Entnahme von Fragmenten könnte sich auf Riffe negativ auswirken. Unter Umständen haben aufwendige Restaurationsmaßnahmen nur einen geringen Erfolg. Daraus kann sich Enttäuschung und ein Vertrauensverlust in der lokalen Bevölkerung und bei Entscheidungsträgern ergeben.

Was bedeutet die Ergebnisse für die Riffrestauration?

Sebastian Ferse: Riffrestauration wird zunehmend als mögliche Lösung für die Korallenriffkrise gesehen, aber die Ergebnisse zeigen, dass dies ein komplexes Unterfangen ist und korrekt geplant und durchgeführt sowie durch entsprechende Maßnahmen begleitet werden muss. Der kosteneffektivste Ansatz bleibt die Vermeidung von Schäden an Riffen.

 

Publikation: Ferse S.C.A., M.Y. Hein & L. Rölfer (2021): A survey of current trends and suggested future directions in coral transplantation for reef restoration. PLoS ONE. doi:10.1371/journal.pone.0249966.