Mangroven in La Paz, Mexiko | Foto: Martin Zimmer

Wissenssysteme und Ökosystem-Design

In Programmbereich 4 wird das erforderliche Wissen erarbeitet, um die in Zukunft möglichen Ökosystemdienstleistungen abzubilden und um gesunde, resiliente Ökosysteme zu schaffen oder wiederherzustellen, die Ökosystemdienstleistungen nach den Bedürfnissen der Gesellschaft erbringen.

Das Ökosystem-Design umfasst dabei sowohl die Implementierung neuer Ökosysteme in geschädigte Gebiete als auch die Steuerung von bestehenden Ökosystemen und deren Nutzung mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme als Dienstleister zu erhalten oder zu verbessern und die nachhaltige Nutzung ihrer Dienstleistungen sicherzustellen. Wissenssysteme bieten den gesellschaftlichen Kontext, in dem es möglich ist, Ökosysteme zu verstehen und entsprechend zu gestalten.

Küstenökosysteme sind die wichtigste Grundlage für die Existenz und das Wohlergehen von Küstengesellschaften. Das Management und die nachhaltige Nutzung ihrer natürlichen Ressourcen erfordern fundierte Kenntnisse über die Struktur und Funktionsweise dieser Ökosysteme sowie das Wissen, wie sie auf Umweltveränderungen reagieren. Verhandlungen und Auseinandersetzungen in Bezug auf die „Realität" von Ökosystemen – ob natürlich, verwaltet oder geplant – und die gesellschaftliche Ressourcennutzung sowie Governancekonzepte stellen die Gesellschaft weltweit vor große Herausforderungen. Das Ausmaß an Unsicherheiten bei der Bewertung von Umweltveränderungen verdeutlicht die Notwendigkeit empirisch fundierter Governance-Frameworks und Managementsysteme, die eine nachhaltige Nutzung der Ökosysteme gewährleisten. Der Programmbereich 4 setzt sich mit dieser Herausforderung durch Forschung zu Themen auseinander, die für die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemdienstleistungen durch wissensbasiertes Management, Naturschutzplanung, Governance und Ökosystem-Design unerlässlich sind. In diesem Programmbereich untersuchen wir parallel Ökosystemprozesse, die Ökosystemdienstleistungen und Wissenssysteme voranbringen und somit die Wahrnehmung von Ökosystemen durch die Gesellschaft beeinflussen.  Die gesellschaftliche Priorisierung von Ökosystemleistungen wird bewertet und die entsprechende Erfüllung dieser Interessen mittels Ökosystem-Design untersucht.

Ansätze für Ökosystemmanagement, -erhaltung und -Design müssen unter Berücksichtigung der lokal, regional und global notwendigen Ökosystemleistungen ausgehandelt werden (d.h. zwischen Regierungen, lokalen Nutzern, Stakeholdern und miteinander konkurrierenden Interessengruppen usw.). Die diskursorientierte und soziale Gestaltung dieser Ansätze und ökosystemspezifische Epistemologien und Wissenssysteme werden die Erhaltung sowie das Design und Management von Ökosystemen vorantreiben. In diesem Sinne wird das Ökosystem-Design über die Wiederherstellung oder den Schutz hinausgehen, da es sich an den Bedürfnissen (Ökosystemdienstleistungen) der Gesellschaft orientiert. Das Ökosystem-Design wird auf Interventionen für eine bessere Lebensgrundlage, mehr Wohlbefinden, Raumschutzplanung und eine Prioritätensetzung angewiesen sein, bei der Vorhersagen über Raum und Zeit der Ökosystemstruktur, Integrität und Dienstleistungen sowie die gesellschaftlichen Bedürfnisse für diese Dienstleistungen berücksichtigt werden.

Anmerkung: Als Sprecher der einzelnen Programmbereiche fungieren zwei Arbeitsgruppenleiter sowie ein Abteilungsleiter als Co-Sprecher, um dem interdisziplinären Forschungsansatz des ZMT Rechnung zu tragen. Sie sind unter dem Punkt „Kontakte“ aufgeführt.