Aufbruchstimmung am Geburtstag: Das ZMT feierte 35 Jahre seit Gründung mit Blick auf aktuelle Aufgaben
Rund 200 internationale Gäste aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft trafen sich am 3. Juni 2026 im Übersee-Museum in Bremen, um gemeinsam das 35jährige Jubiläum des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) zu begehen. Höhepunkte der Festveranstaltung waren Grußworte von Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Karolina Kumar, Staatsrätin bei der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft des Landes Bremen und des designierten Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Schmidt. Zwei hochkarätig und international besetzte Diskussionsrunden thematisierten die gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen der Ozeane und deren Wechselwirkungen mit Gesellschaften. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Relevanz kooperativer tropischer Meeresforschung, die das ZMT seit seiner Gründung erfolgreich pflegt und weiter ausbaut.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär unterstreicht die besondere Bedeutung des ZMT: „Die marine Tropenforschung rückt immer stärker ins öffentliche Interesse, sowohl wissenschaftlich und ökologisch als auch sicherheitspolitisch und ökonomisch. Das macht die Expertise des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung so wertvoll. Hier werden nicht nur die produktivsten Küstenökosystem der Erde erforscht, die zugleich die Lebensgrundlage für mehr als 400 Millionen Menschen sind. Sondern hier werden Zukunftsfelder der Klima- und Meeresforschung besetzt, die ein Schlüssel für wichtige Innovationen sein können: etwa bei der Gewinnung von Nahrungsmitteln auf Algenbasis aus dem Meer oder der CO2-Entnahme und -Speicherung. All das zahlt ein in die Hightech-Agenda Deutschland, mit der wir die Technologieführerschaft in ausgewählten Schlüsseltechnologien übernehmen wollen. Gemeinsame Projekte mit Ländern wie Brasilien, Kolumbien und Malaysia oder mit den Inseln des Südpazifiks zeugen davon, dass die Projekte des ZMT international hoch anerkannt sind."
Die Gründung des Bremer Forschungsinstituts durch den engagierten Meeresforscher und Politikberater Prof. em. Dr. Dr. h.c. Gotthilf Hempel im Jahr 1991 wurde von Beginn an vom Bremer Senat unterstützt. Seit 2009 gehört das ZMT zur Leibniz-Gemeinschaft – ein Meilenstein in der Institutsgeschichte, der einen neuen organisatorischen Ausbau zur Folge hatte. Das ZMT wird seitdem gemeinsam vom Bund und dem Land Bremen gefördert.
Karolina Kumar, Staatsrätin bei der Bremer Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: „Die Entscheidung, Anfang der 1990er-Jahre das ZMT zu gründen und tropische Küstenforschung in Bremen zu etablieren, war alles andere als selbstverständlich. Heute ist der Gründungsgedanke aktueller denn je: Klimawandel, menschliche Eingriffe in Ökosysteme und der Verlust biologischer Vielfalt lassen sich nur global verstehen – und nur gemeinsam bewältigen. Inzwischen hat sich das Institut zu einem international sichtbaren Leuchtturm der Tropenforschung entwickelt.“
„Das ZMT verkörpert in besonderer Weise die Stärken der Leibniz-Gemeinschaft: Es verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit, internationalen Kooperationen und hoher gesellschaftlicher Relevanz. Damit steht das ZMT beispielhaft für ein Institut, das mit seiner Forschung weit über die Wissenschaft hinaus Wirkung entfaltet“, betont Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, designierter Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, in seinem Grußwort.
Exzellenz, Relevanz und Wirksamkeit kooperativer Forschung
Mit den „Bremer Kriterien“ verpflichtete sich das ZMT seit den Anfangsjahren auf hohe Standards an die eigene Forschungszusammenarbeit mit Ländern im Globalen Süden. Dieses Regelwerk wurde weiterentwickelt für eine weiterführende Kooperation auf Augenhöhe mit Partnerinstitutionen in tropischen Ländern.
Exzellenz, Relevanz und Wirksamkeit der kooperativen Forschung in tropischen Küstengebieten sind heute wichtiger denn je, wenn es um die Bewältigung aktueller Herausforderungen von Klimarisiken und Nahrungsmittelsicherheit geht. Wichtiges Element dabei ist die kontinuierlich in alle ZMT-Projekte integrierte Nachwuchsförderung. Über drei Jahrzehnte hinweg sind daraus nicht zuletzt weltweite wissenschaftliche Netzwerke und nachhaltige Beziehungen mit Forschungseinrichtungen in mehr als 50 tropischen Ländern erwachsen.
Das Bremer Leibniz-Institut ist somit längst ein zentraler und wichtiger Forschungspartner im In- und Ausland, wie zwei Videobotschaften von langjährigen Partnern der Hasanuddin Universität aus Indonesien und des Instituto de Ciencias del Mar y Limnología (INCIMAR) der Universität del Valle in Kolumbien auf der Festveranstaltung eindrücklich zum Ausdruck brachten. Die tropischen Küsten beider Länder sind besonders vom Klimawandel betroffen. Lokale Forschungseinrichtungen kooperieren mit dem ZMT bereits seit Jahren, um die ökologischen und sozialen Auswirkungen besser zu verstehen und Antwortstrategien zu entwickeln. Dabei bringt das ZMT auch seine starke Expertise in den marinen Sozialwissenschaften ein.
Neue Perspektiven: Erdsystemmodelle für tropische Küstenregionen
Aber das interdisziplinär ausgerichtete Institut erweitert sich angesichts der Klimaveränderungen auch strategisch – etwa in der Modellierung. Da tropische Küstenökosysteme bisher wenig in globale Klimamodelle integriert sind, baut das ZMT nun die neue interdisziplinäre Forschungsplattform TropECS (Modeling socio-economic dimensions across Tropical Coastal Ecosystems and the Earth System) auf.
Dieser hochdifferenzierte Modellierungsansatz soll naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Dynamiken – von physikalischen und ökologischen Prozessen bis hin zu sozioökonomischen Wechselwirkungen – miteinander verknüpfen. Ziel ist es, die Aussagekraft von Klimaprojektionen deutlich zu erhöhen, evidenzbasierte politische Entscheidungen zu erleichtern und die Resilienz für Küstengebiete im Globalen Süden zu fördern.
Für Prof. Dr. Raimund Bleischwitz, seit 2022 wissenschaftlicher Geschäftsführer des ZMT, ist das ein Weg, der notwendiges Handlungswissen für die Zukunft schafft und weitere Kooperationen ermöglicht, auch mit Akteuren aus Wirtschaft und Politik.
„Mit Ergebnissen aus TropECS können Gesellschaften in den Tropenländern den Klimawandel mit Veränderungen im Ozean und in den Küstenökosystemen verstehen und kommende Risiken besser einschätzen. Wir brauchen den Methodenmix aus Feldforschung, Laborarbeiten, Modellierung und nachhaltigen Lösungsansätzen mit und für die Menschen vor Ort. Letztlich steht das ZMT für ein neues Wissenschaftsverständnis, das Exzellenz mit Relevanz und gesellschaftlichen Wirkungen verbindet.“
35 Jahre besteht das ZMT – ein Forschungsinstitut heute mit Aufgabengebieten im gesamten Tropengürtel. Als international anerkannter Partner in der Tropenforschung erweitert es mit Blick auf Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft unablässig seine Forschungsaufgaben und Arbeitsgebiete und schafft Expertise und Strukturen für mehr Wissenschaft und nachhaltiges Management tropischer Küstengebiete. Ein neues modernes und nachhaltiges Gebäude für all das ist in Bremen bereits in Planung.
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